Zwischen den Welten

Extreme Verwirrtheit in Buchhandlungen ist immer ein untrügliches Zeichen dafür, dass mein Geist gerade in irgendwelchen Zwischenwelten festhängt. Das ist ein ähnliches Phänomen als, wenn sich ein Computer wegen zu vieler unterschiedlicher Rechenprozesse aufhängt. Ich bin kein Computerspezialist, aber ich stelle es mir so vor. Ich hang in einer Thalia-Buchhandlung bar jeder Entscheidungskraft zwischen miesen Krimis, merkwürdigen Kochbüchern und Lebensratgebern, die auch nicht weiter wussten, fest, aber eigentlich irgendwo zwischen Deutschland und Irland, zwischen Weite und Nähe, irgendwo zwischen mir und mir, ohne dass ich das einen von beiden in die Schuhe schieben mochte.
Ich hatte meine Erfahrung damit und wusste, dass dieses Phänomen leicht zu einem miesen Systemabsturz oder handfesten Depressionen führen konnte, und suchte instinktiv nach der Brandung des Meeres, die sich in den letzten Monaten als ausgezeichnetes Remedium in solcherartigen Situationen erwiesen hatte und deren Energie mich immer wieder sanft in eine der Welten zurückgleiten lies.
Ich suchte die ganze verfluchte Stadt danach ab und stieß irgendwann inmitten Englischer Gärten auf einen kleinen See, ein Stück kontrollierter Gewalt, umgeben von Bäumen, die gerade wegen ihrer gewollten Natürlichkeit, umso künstlicher auf mich wirkten.
So muss sich ein Junkie auf Methadon fühlen, dachte ich mir, als ich meinen Blick mit dem ärmlichen Tümpel verband, und es beschlich mich das ungute Gefühl, dass die Wirklichkeit nach Irland erstmal ein paar Grautöne für mich bereithalten könnte, bevor mich die Sucht nach dem ungezügelten Leben zu neuen Drogen führen würde.

Veröffentlicht am 23. Juli 2013

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