Wie Idealisten sterben

Als ich mit meiner ersten großen Liebe eine gemeinsame Wohnung bezog, kauften wir uns in einem dieser Möbeldiscounter, wie man sie vor den Toren einer jeden größeren Stadt finden kann, ein einfaches Futonbett.
Sowohl das Bett wie auch unsere Liebe hielt nur einige Monate, aber in diesen Wochen – wir waren unverletzbar und naiv – war uns unser einziges gemeinsames Möbelstück die Mitte eines schattenlosen Königreiches, an das die Träume wie Vasallen herantraten, um uns ihre Treue zu versichern.
Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal Hand in Hand durch ein Möbelhaus streifte und warum sich die Träume nie mehr so nah an der Welt träumen ließen wie in diesen wenigen unschuldigen Wochen, warum sie sich mehr und mehr von der Wirklichkeit zurückzogen und warum ich Ihnen in diese Ferne nachfolgte.
Ich kann nicht sagen, dass ich unglücklich bin, nur manchmal mischt sich etwas Trauriges in den Gedanken, wie alles so dahinfließt, sich auflöst in Klarheit und Abstraktion.
Ich blicke auf die einfache Matratze, die nichts ist außer ein Ort zum Schlafen und schreibe mich durch die Stille einer traumentfernten Nacht, die nur durch das Surren eines Insekts unterbrochen wird, das sich in seinem Drang nach dem Licht in meinem Lampenschirm verfangen hat.
Es ist ein ungleicher Kampf, und noch ehe ich meinen Stift aus der Hand lege, liegt der Falter mit verbrannten Flügeln auf meinem Küchentisch.
Ein nächtlicher Daedalus, der seiner Sonne zu nahe kam.
Mit frisch verbrannten Flügeln die Welt verlassen; so sterben eigentlich nur Idealisten.

Veröffentlicht am 24. Juli 2013

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