Vom Nutzen und Vorteil Schwarzer Pädagogik für einen geruhsamen Feierabend

Es war Omelettetag. Also ich wechselte beim Frühstück immer zwischen drei Spiegeleiern mit Speck und einem Omelette aus drei Eiern mit Frühlingszwiebeln, Prosciutto und etwas Parmesan. Es hatte keine tiefere Bedeutung, außer dass es visuelle Abwechlung auf den Teller brachte und man sagen konnte: Dreimal Omelette und dreimal Spiegelei gaben einen Tag frei. Das war die Rechnung für die nächsten zwölf Wochen. Manchmal ertappte ich mich dabei wie ich die Tage zählte.
Der Club war gerade total überfüllt und die Leute fraßen trotz der Hitze wie die Scheunendrescher. Ich kam mit der Produktion kaum hinterher und die Hitze war mörderisch.
Ich dachte kurz daran, runter ans Meer zu gehen, aber irgendwie war ich zu platt und entschied mich für ein Feierabendbier, als die beiden Rotzlöffel an den Tisch kamen.
Der Junge trug ein Trikot von Messi und das Mädchen spielte auf ihrem Tablet und kaute an einem Schweinsohr.
»Schmeckt’s?«, fragte ich und sie nickte.
»Ich hab die gebacken! Ich bin der Bäcker.«
»Host du uns eine Schokolade?«, fing der Junge ein.
»Nee, holt sie euch selbst. Ich bin müde. Da drüben auf dem Tisch steht die Kanne mit dem Kakao.«
Der Junge blickte kurz rüber und schüttelte mit dem Kopf.
»Unser Papa hat gesagt, jeder der einen Anstecker mit Namen trägt, muss im Urlaub machen was wir wollen, also musst du uns die Schokolade holen!«
Ich aß die letzten Bissen von meinem Omelette und dachte mir: Na das kann ja heiter werden, die Kinder haben ja jetzt schon ’nen Knall.
»Wenn du uns keine Schokolade holst, dann sagen wir das unserem Papa!«
»Genau! Und der beschwert sich dann!«, krakeelte die Kleine mit und knabberte weiter an ihrem Schweinsohr.
Ich hatte gute Lust mir diesem Papa mal näher anzusehen und seine Klaue mal kurz auf die Ofenplatte zu legen, damit die Synapsen wieder richtig funktionierten.
»Kennt ihr zwei die Geschichte von den Schweinsohren?«
Die beide schüttelten mit dem Kopf.
»Also, vor langer Zeit, da gab es einen Bäcker, der war sehr müde nach der Arbeit und als die Kinder kamen und ihn neckten und aufforderten, dass er ihnen Kakao holen solle, obwohl sie selber schon laufen konnten, und sie immer garstiger zu dem Bäcker wurden, da nahm er ein großes Messer und schnitt ihnen die Ohren ab, wälzte sie in Zucker und warf sie seinen beiden Schweinen Hansi und Ida in den Trog. Die Schweine freuten sich sehr, aber die Kinder weinten bitterlich, hatten sie jetzt doch keine Ohren mehr.«
Die Kleine hörte auf zu kauen und der Junge bekam große Augen.
»Und wisst ihr was: Mancher Bäcker hat immer noch so eine große Schere und damit macht er dann schnipp und schnapp, wenn die Kinder nicht artig sind und Schokolade fordern, obwohl sie die schon selber holen können.
Und wenn die Kinder die Geschichte dem Papa oder der Mama erzählen, dann schleicht er sich nachts unter ihre Betten und schnippt und schnappt die ganze Nacht.«
Die beiden waren nun still und starrten mich an.
»Soll ich euch nun ne Schokolade holen, ihr Lieben?«
Die beiden schüttelten langsam mit dem Kopf und rannten dann davon.
Ich machte mich auf zu meinem Feierabendbier.