Unter Neonlicht

Diese Augenblicke, in denen eine Stadt ihre erste Stimmung offenbart. Die Momente, in denen Straßen und Orte kommunizieren, dir etwas erzählen. Ein Atmen, ein Innehalten kurz nach Mitternacht, zwischen Orten, die nur nachts erwachen und tagsüber verschollen sind. Riesige Leuchtreklamen an der Piața Unirii. Edward Hopper-Szenen. Eine Armada von Taxis, getaucht unter fluoreszierendes Licht, rötliches Chopstix, im Weiß das Stradivarius, das sich flutend an Häuserwände und Kirchen wirft. Die Reklamen der Hinterhofclubs und Bars. Die roten Wegweiser des Sexus. Die leuchtenden Symbole von König Alkohol. Bukarest durchflutet von Licht und ich war berauscht von diesen Strömen und Wellen. Trieb auf ihnen dahin. Stundenlang der nächtliche Gang durch Straßen voller sozialistischer Erbschaften, Trabantenstädte. Dann wieder Stuckfassaden im Verfall. Cold Wave mit einem Schuss Tango. Der Himmel dabei sternenklar. Der Wind gräbt sich schneidend ins Gesicht. Hin und wieder die Menschen des Nachts. Straßenkehrer, Obdachlose in Hauseingängen, Putzfrauen in Fast-Food-Läden. Das Bellen der Hunde durchhallt die Nacht. Elektronische Musik von einem MacBook in einem Café begleitet mich bis zum Morgen. Die Fahrt mit einem Taxi durch das Erwachen. Ich wusste, dass wir uns zum ersten Mal berührt hatten.

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