Nicht Orte

Ich habe keinerlei Vorstellung von einem Ernst-Reuter Platz. Es ist einer der vielen Nicht-Orte dieser Welt.

Manche Orte existieren in meinem Kopf, weil ich sie bereist habe, andere, weil ich sie erlesen habe. Los Angeles ist ein Ort, den ich nur durch Bukowski und Chandler kenne, ebenso wie Paris durch Henry Miller.

Der Ernst-Reuter Platz ist nicht dabei. Weder war ich jemals dort, noch habe ich etwas darüber gelesen. Hans Fallada ging soweit ich mich entsinne nie über den Ernst-Reuter-Platz.

Franz Biberkopf war am Alexanderplatz.

Man sagt mir, es ist ein Platz in Berlin. Berlin war mir als Stadt immer zu kalt und viel zu schnell. Das Schönste was ich von Berlin kenne ist eine Fiktion, eine Verfilmung. „Stadt der Engel“ von Wim Wenders.

Zog es mich durch diese Stadt, so empfand ich sie als blau.

Kein träumerisches Blau, ein kälteres, technoides Blau.

So stelle ich mir auch diesen Platz in der Mitte von Berlin vor, etwas zu kalt, um sich länger dort aufzuhalten. Es ist kein Platz von dem eine Revolution ausgehen würde. Viel Verkehr und hastige Menschen, die an einer Statue oder Gedenktafel vorbeihuschen.

Der Name Ernst-Reuter klingt nach einer großen Persönlichkeit, es klingt wie Willy Brandt, vermutlich war er Bürgermeister oder wurde von den Nazis umgebracht, was einen immer für einen Platznamen in größeren Städten prädestiniert.

Veröffentlicht am 15. Juli 2013

Last Modified on 22. Januar 2016
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