Nachtgeburten

Manchmal löst sich aus der Stille einer Nacht eine Symphonie voll Ferne und klingt in fremder Schönheit durch meine Gefühlswelten bis in die Außenposten meiner Gedanken herab. Ich kann sie nicht beschreiben, ich weiß nur, dass die Worte die in diesen Momenten geboren, wie als wären sie durch die plötzliche Nähe dieser Ferne befruchtet, janusköpfig und undeutbar zur Welt herabsteigen. Wenn ich mich ihrer bediene, fließen sie gegen die übrigen Worte an, lassen Sinnkrater zurück und drängen die Sätze zu sich hinaus ins Unbestimmte. Ich schreibe sie in das Oktavheft unklarer Nachtgeburten und Kaspar-Hauser-Worte, das ich unter Verschluss halte, sowie man Wolfskinder vor der Öffentlichkeit versteckt, nicht der Scham wegen, sondern um sie zu bewahren.

Veröffentlicht am 31. Juli 2013

Last Modified on 22. Januar 2016
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