Landschaften der Sprache

Ein fremdes Wort finden in vergessenen Büchern,

Deren Seiten beim Umblättern knistern

Wie ein Ammonit mit aragonitischer Schale

Perlmuttworte, kryptisch und verschlossen

Wenn sie nach vielen Jahren wieder auftauchen

In eine andere Zeit und Sprache geworfen

Unverständlich geworden und rätselhaft

Und dennoch mit irisierendem Nachglanz umhüllt

Erliegt man ihrem Zauber und trägt sie in seinem Geist davon

Lange trägt man sie in sich, flüstert sie vorsichtig vor sich hin

Denn auch jedes verschollene Wort,

Das wir unserer lebendigen Sprache wieder zuführen,

Ist eine Auffächerung und Sensibilisierung der Wirklichkeit,

Die sicherlich in grobschlächtigen Zeiten einem Atavismus gleichkommt,

Dem, so wird einem gesagt,  es bei Überreizung mit Psychopharmaka beizukommen gilt.

Ich weiß, auch die verfeinerten Landschaften der Sprache

Sind nur ein Exil für Flüchtlinge der materialistischen Welt

Doch ich, dem Heimat immer die Sprache und niemals die Nation bedeutete, lebe in ihr und wandere immer tiefer auf ihren Pfaden und die lauten Stimmen da draußen, die mit wenigen derben Worten die ganze Welt erklären können, dringen nur noch wie ein fernes Rauschen an mein Ohr.

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