Ephemeraoptera

Sie kamen morgens an mein Fenster und saßen dort ganz still, als die Gräser noch taubedeckt

Bäuchlings hangen sie an meiner Scheibe und in geäderten Flügeln verfing sich frühes Sonnenlicht.

Es verging wohl ein Jahr in ihrem Leben bevor sie sich in die Luft erhoben und paarten

Ich beobachtete dieses Schauspiel über Stunden

Das Weibchen flog hoch und sie fanden sich wieder im Fallen

Sie praktizierten das Spiel des Lebens in tiefer Entschlossenheit und ohne Kompromisse

Fallen und sich wieder Erheben. Immerzu.

Immer wieder ohne müde zu werden, zelebrierten sie in der Luft ihren Hochzeitstanz, während ihre Jahre sich Stunde um Stunde mehrten.

Sie aßen nicht und tranken nicht. Sie tanzten nur in der Luft wie Verliebte es tun.

Von der Natur zur Nahrungsenthaltung gezwungen, drängten sie spielerisch in den Abend, dem Sterben entgegen, das sie auf die Erde zurückwarf.

Ein letzter Flügelschlag, ein Tod im Blumenmeer aus Tausendschön.

Ich begrub sie am Ufer des Flusses, dem sie einst vor Stunden entsprungen.

Sowie es der Brauch gebietet für Wesen, an deren Leben man Anteil nahm

 

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Last Modified on 22. Januar 2016
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