21A

17 A presste seinen Business-Trolley in den schon überfüllten Stauraum für Handgepäck über den Sitzen und zerdrückte dabei achtlos die Duty-Free-Geschenke von der Dame auf 17 B. Die Bitte einiger Fluggäste nach mehr Sorgfalt konterte er mit einem unterkühlten:
»Das ist mein Recht, ich hab dafür gezahlt! Genausoviel wie Sie. Nicht mehr und nicht weniger!«
Ich blickte auf den Mann in seinem etwas in die Jahre gekommenen Mittelklasse-Anzug, diese technokratische Stimme, die das Recht zu Hilfe rief, wo ein einfaches »Entschuldigung, tut mir leid!« gereicht hätte und hatte das Gefühl, die Welt war mit solch einer Kausalität eindeutig am Ende.
Im gedämpften Licht eines Nachtfluges, in der dämmrigen Stille eines Sonntagabends, stieß mich eine Stunde später mein Nachbar 21 A an und zeigte durch das Fenster. »Look how beautiful! Seems like all stars have a meeting in Budapest!« Wir hatten uns nicht vorgestellt und diese zwei dahingeflüsterten Sätze sollten auch die einzigen bleiben. Es war mehr ein Affekt der Ergriffenheit, ein Gefühlsüberschwang, den man unmittelbar teilen musste, als eine Aufforderung zum Gespräch.
Es war tatsächlich ein riesiger dahingeworfener Sternenhaufen, als hätte jemand plötzlich die Wirklichkeit verdreht und uns für einen Moment zu vor ihrem Werk pausierenden Straßenkehrern der Milchstraße bestimmt. Wir blickten beide schweigend durch das schmale Fenster und ich dachte, dass wir dafür nicht gezahlt hatten und dass die Welt unmöglich ganz am Ende sein konnte, solange es noch Menschen wie 21 A gab.

Last Modified on 17. Februar 2017
This entry was posted in 2017
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